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Partner „Tag der Bildung“
Medienmitteilung zum 19. November 2004

Ein Jahr nach dem „Tag der Bildung“ vom 19. November 2003k blicken alle Schulstufen ernüchtert zurück und mit grosser Sorge vorwärts.

Anhaltende Erosion der Bildung im Kanton Zürich

Gestrichene Fächer, grosse Klassen, ständiger Frontalunterricht – die Bildung im Kanton Zürich droht ins Mittelmass abzurutschen. Der Qualitätsabbau erfolgt schleichend auf allen Schulstufen.

Jugendliche, die fortan jede Stufe ihrer Ausbildung mit reduzierten Angeboten, schlechteren Betreuungsverhältnissen und ausgebrannten Lehrkräften durchlaufen, werden am Ende ihrer Schulzeit massive Bildungsdefizite gegenüber heutigen Schulabgehenden aufweisen. Ein Jahr nach dem Tag der Bildung vom 19. November 2003 zeigt sich ernüchternd, dass der Abbau in der Bildung durch das Sanierungspaket San04 weitgehend umgesetzt worden ist. Die einzeln betrachtet scheinbar undramatischen Massnahmen entfalten in ihrer Summe ein bedrohliches Gefahrenpotential.

Grössere Klassen und weniger Fächer an der Volksschule

Auf der Primarschulstufe wurden einzelne Fächer (Handarbeit, Religion) reduziert oder gestrichen. Grössere Klassen und die Reduktion von Stütz- und Fördermassnahmen verunmöglichen die Integration von schwächeren Schülerinnen und Schülern. An der Sekundarschule wiederholen sich dann alle diese Massnahmen und treffen die Jugendlichen ein zweites Mal.

Durch die Anhebung der Klassengrössen werden rund 350 Vollzeitstellen im gesamten Volksschulbereich gestrichen. Dies führt dazu, dass Klassen in einzelnen Schulhäusern aufgehoben werden und gewisse Gemeinden im Extremfall sogar ihre Oberstufen zusammenlegen müssen. Im Weiteren werden die längst versprochenen Entlastungsstunden für Volksschullehrkräfte nicht gewährt und die Weiterbildung der Lehrpersonen massiv verteuert.

Bildungsabbau an den Mittelschulen

Auch für die Mittelschulen stellt San04 ein weiteres massives Abbauprogramm dar: Weit mehr als 1000 Lektionen pro Woche sind im vergangenen Schuljahr gestrichen worden. Die Folge: Reduktion der Lektionenzahl in obligatorischen Fächern, Erhöhung der Klassengrössen, Streichung von Halbklassenunterricht und naturwissenschaftlichen Praktika sowie Einführung eines Vorlesungs- oder Selbstlernbetriebs. Die Wirkung dieser Abbaumassnahmen ist dieselbe: Der monotone Frontalunterricht ist auf dem Vormarsch, das praktische Arbeiten und Üben in überschaubaren Gruppen unter Anleitung einer Lehrperson auf dem Rückzug. Darüber hinaus kommt die Einschränkung des Freifach-Angebots einer Bestrafung besonders motivierter Schülerinnen und Schüler gleich, deren Interessen über das obligatorische Programm hinausgehen. Damit stirbt auch die Begabtenförderung.

Weniger Weiterbildung an den Berufsschulen

Im Bereich der Berufsschulen ist es unter anderem auch die berufliche Weiterbildung, die von Abbaumassnahmen betroffen ist: Weiterbildungswillige werden durch wiederholte Erhöhung von Kursgeldern, Verschlechterungen des Angebotes und Einsparungen bei der Infrastruktur abgeschreckt, obwohl aus volkswirtschaftlichen Gründen (Stützung von Strukturwandel, Technologietransfer) doch gerade hier investiert werden müsste. Bedroht sind vor allem Ausbildungsgänge für höhere Fachprüfungen. Damit fehlen in Zukunft auch die Lehrmeisterinnen und Lehrmeister.

Anschluss an die Tertiärstufe gefährdet

Alle diese Abbaumassnahmen wirken sich auch zusehends stärker auf die Hochschule (Universität und Fachhochschulen) aus, die ihre Qualitätsstandards nicht mehr aufrechterhalten kann, wenn die vorgelagerten Stufen die Hochschulreife nicht mehr vermitteln können. Die Konsequenzen wären nicht nur für den Kanton Zürich gravierend, sondern für den ganzen Forschungsplatz Schweiz.

Für alle Schulstufen gilt zudem: Durch den Abbau ist nicht nur der eigentliche Unterricht von zunehmender Verarmung bedroht, sondern auch das soziale und kulturelle Leben, das für das Schulklima und den Lernerfolg so wichtig ist.

Wann gerät die Bildung vollends ins Rutschen?

Vor diesem Hintergrund sehen die Partner „Tag der Bildung“ den drohenden weiteren Abbaumassnahmen mit grösster Sorge entgegen. Jede zusätzliche Reduktion des Angebots trägt dazu bei, dass der anhaltende Erosionsprozess der Bildung im Kanton Zürich noch früher in eine unkontrollierbare Rutschbewegung übergeht. Wir rufen Öffentlichkeit und Politik deshalb dringend dazu auf, sich für eine starke Bildung im Kanton Zürich einzusetzen! Die Partner „Tag der Bildung“ bleiben in engem Kontakt und werden weiterhin gemeinsam für dieses Ziel kämpfen!

Hintergrundinformation

Tag der Bildung 2003 – ein Grosserfolg

Vor genau einem Jahr, am 19. November 2003, traten alle Zürcher Bildungsinstitutionen und -verbände erstmals in ihrer Geschichte gemeinsam an die Öffentlichkeit, um auf den drohenden Qualitätsverlust durch Budgetkürzungen im Rahmen des Sanierungspaketes San04 aufmerksam zu machen. Sie forderten eine Bildungsoffensive, damit der Forschungs-, Werk- und Arbeitsplatz Zürich gestärkt werden kann. Nach Diskussionen mit rund 70 Politikern, National- und Kantonsparlamentariern über die Bildung der Zukunft an den einzelnen Schulen kam es am Abend zur grossen Kundgebung auf dem Platzspitz, an der über 10’000 Teilnehmer mit einem riesigen Lichtermeer zum Umdenken aufriefen, zur Umkehr von der Sparpolitik zur gezielten Investition in die Zukunft. Heute – ein Jahr nach dem ersten Tag der Bildung – wiederholen wir diesen Appell an Regierungs- und Kantonsrat; die Politik hat uns noch keine Zeichen der Umkehr gegeben, aber weiter Massnahmen des Bildungsabbaus angekündigt.


Die Partner „Tag der Bildung“

Volksschule
VZS (Verband Zürcher Schulpräsidentinnen und Schulpräsidenten)
VSLZH (Vereinigung der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zürich)
ZLV (Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband)
LKM (Lehrpersonenkonferenz der Volksschulen des Kantons Zürich),
SEKZH (Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich)

Berufsschule
Schulleiterkonferenz der Berufsschulen des Kantons Zürich
LKB (Lehrpersonenkonferenz der Berufsschulen des Kantons Zürich),
ZLB (Zürcher Verband der Lehrkräfte in der Berufsbildung)

Mittelschule
IMPULS MITTELSCHULE / SLK (Zürcher Schulleiterkonferenz)
MVZ (Mittelschullehrerverband des Kantons Zürich)
LKM (Lehrpersonenkonferenz der Mittelschulen des Kantons Zürich),
ZSO (Dachverband der Kantonalzürcherischen Schülerorganisationen)

Hochschulen
Universität Zürich
VAUZ (Vereinigung der Assistentinnen und Assistenten an der Universität Zürich)
STuRa (Studierendenrat der Universität Zürich)
Zürcher Fachhochschule:
Pädagogische Hochschule Zürich
Hochschule für Angewandte Psychologie Zürich
Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich
Hochschule für Soziale Arbeit Zürich
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Verwaltung Zürich
Hochschule Musik und Theater
Hochschule Wädenswil
Zürcher Hochschule Winterthur
FH-ZH (Verband der Zürcher Fachhochschuldozierenden)

Übergeordnete Organisationen und Verbände
Elternkonferenz der Stadt Zürich
Schulsynode des Kantons Zürich
VPOD Lehrberufe (Verband des Personals öffentlicher Dienste)



Kontakpersonen für Rückfragen:

Volksschule
- Peter Gerber, Präsident VSLZH, +41 79 316 88 23, gerber.peter@bluewin.ch
- Lilo Lätzsch, Mitglied der Geschäftsleitung ZLV, Ohmstr. 14, 89051 Zürich,
+41 79 409 44 32, lilolaetzsch@swissonline.ch
- Urs Loosli, Präsident SekZH, 079 522 76 66, urs.loosli@bluewin.ch

Mittelschulen
- Erich Hohl, Präsident SLK Mittelschulen, Minervastrasse 14, 8032 Zürich,
+41 1 266 57 57, e.hohl@ksh.ch
- Jakob Hauser, IMPULS MITTELSCHULE, Kantonsschulstr. 23, 8180 Bülach,
+41 79 411 91 13, jhauser@kzu.ch
- Stephan Aebischer, Präsident MVZ, Buchholzstrasse 58/39, 8053 Zürich,
+41 1 381 31 50, praesident@mvz.ch
- Markus Späth, Vizepräsident LKM, +41 79 620 33 91, mspaeth@kzu.ch

Berufsschulen
- Hans-Peter Hauser, Präsident KWB, Kantonsschulstrasse 3, 8090 Zürich,
+41 1 267 80 41, hphauser@eb-zuerich.ch

Universität
- Katharina Furrer, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Uni Zürich UNICOM MEDIA, Schönberggasse 15a, 8001 Zürich. +41 1 634 44 32 / +41 79 643 94 86,
katharina.furrer@unicom.unizh.ch

Übergeordnete Verbände und Organisationen
- Urs Loppacher, Sekretär vpod, +41 1 295 30 00, urs.loppacher@vpod-zh.ch

Download: Medienmitteilung als PDF

Zürich, den 18.11.2004
Partner Tag der Bildung / Nik Schatzmann
(schatzmann at impulsmittelschule.ch; Tel. +41 76 581 12 55)

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
     
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